GMSEvents

 In diesem Jahr konnte die GMS mit ihrer 30. Jahrestagung, die vom 09.-11. Oktober 2014 in Freising-Weihenstephan stattfand, einen „runden Geburtstag“ feiern. Das Generalthema war „Interaktionen von Spurenelementen – Untersuchungen im Tiermodell“.

Tagungsort war das neu erbaute Hans-Eisenmann-Zentrum für Agrarwissenschaften (HEZ), am des Wissenschaftszentrums Weihenstephan (WZW) der Technischen Universität München.

 

Die Veranstaltung wurde traditionell am Vorabend der eigentlichen Tagung mit der Evening Lecture eröffnet, die in diesem Jahr von Prof. Dr. Wilhelm Windisch, dem Leiter des Lehrstuhls für Tierernährung am WZW, zum Thema „Zwischen Mangel und Exzess –Einsatz von Spurenelementen in der Fütterung landwirtschaftlicher Nutztiere“ gehalten wurde. Prof. Windisch verdeutlichte hier am Beispiel verschiedene Spurenelemente deren doppelköpfigen Charakter. So machte er klar, dass eine Dosierung von Spurenelementen nach der Devise „viel hilft viel“ zu gravierenden Vergiftungserscheinungen des tierischen und menschlichen Organismus und ebenso zu folgeschweren Belastungen der Umwelt führen kann.Des Weiteren erläuterte er die aus diesen Fakten resultierenden Implikationen für die praktische Fütterung und den Umweltschutz. Der Vortrag lieferte interessante Fakten, die auch für fachfremde Wissenschaftler und Laien sehr verständlich präsentiert wurden. Die neuen Erkenntnisse konnten im Anschluss in gemütlicher Runde im nahe gelegenen Restaurant „Weihenstephaner am Dom“ in der Altstadt von Freising diskutiert werden.

 

Die Tagung selbst konnte in diesem Jahr 62 registrierte Teilnehmer verzeichnen. Das wissenschaftliche Programm bestand insgesamt aus 15 Vorträgen (8 eingeladene Sprecher + 7 ausgewählte Kurzvorträge) und 10 Posterbeiträgen.

Acht internationale Sprecher wurden eingeladen, um einen Überblick über den derzeitigen Stand der Wissenschaft in ihrem Themengebiet zu geben.

·         Prof. Jerry Spears (Department of Animal Science, College of Agriculture and Life Sciences, North Carolina State University)

·         Prof. Jürgen Zentek (Institut für Tierernährung, Freie Universität Berlin)

·         Dr. Esther Humann-Ziehank (Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover)

·         Katharina Neth (Research Unit Analytical BioGeoChemistry, Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, Helmholtz Zentrum München)

·         Prof. Dr. Ulrich Schweizer (Institut für Biochemie und Molekularbiologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn)

·         Dr. Claudia Kiermayer (Abteilung für Vergleichende Medizin, Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, Helmholtz Zentrum München)

·         Prof. Dr. Dirk Schaumlöffel (Université de Pau et des Pays de l'Adour/CNRS)

·         Prof. Dr. Jörg Feldmann (Chair in Environmental Analytical Chemistry, TESLA- Trace Element Speciation Laboratory, University of Aberdeen)

 

Der erste Vortragsblock startete ganz im Sinne des Tagungsthemas mit der Key Note Lecture von Prof. Jerry Spears (Department of Animal Science, College of Agriculture and Life Sciences, North Carolina State University), der in seinem Vortrag interessante Forschungsergebnisse zu Interaktionen von Spurenelementen im Vormagensystem von Wiederkäuern präsentierte. Die Einladung von Prof. Spears wurde uns freundlicherweise durch unseren Sponsor Orffa International Holding B.V ermöglicht. Weiter folgte im Programm einer der exotischsten, jedoch nicht minder informativen Beiträge. Frau Dr. Schafellner (Lehrstuhl für Forstentomologie der Universität für Bodenkunde in Wien) berichtete uns über den Einfluss unterschiedlicher Spezies des Spurenelements Eisen in der Diät auf den Erfolg von Insektenzuchten am Beispiel des Schwammspinners.

Der zweite Vortragsblock stand unter dem Thema „Elementspezies und Tiermodelle“. Katharina Neth (Research Unit Analytical BioGeoChemistry, Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, Helmholtz Zentrum München) präsentierte Chromatographie-basierte Methoden zum Nachweis von Spurenelementspezies und deren Identifikation über Massenspektrometrie in verschiedenen biologischen Matrizes.

Frau Dr. Claudia Kiermayer (Abteilung für Vergleichende Medizin, Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, Helmholtz Zentrum München) widmete sich dem Themenbereich Tiermodelle und berichtete am Beispiel eines genetisch veränderten Mausmodels über die Auswirkungen eines knock outs des Selenoproteins Thioredoxinreduktase 2.

Zurück zur Elementanalytik ging es im Vortrag von Prof. Dr. Dirk Schaumlöffel (Université de Pau et des Pays de l'Adour/CNRS), der in seiner Präsentation aufzeigte, wie es mit Hilfe der innovativen Technologie der Nano Secondary Ion Mass Spectrometry (NanoSIMS) möglich ist, die Lokalisation und zelluläre Verteilung von Spurenelementen nachzuweisen.

Der morgendliche Vortragsblock wurde durch Prof. Dr. Jörg Feldmann (Chair in Environmental Analytical Chemistry, TESLA- Trace Element Speciation Laboratory, University of Aberdeen) geschlossen, der über die toxikologischen Eigenschaften von Arsenverbindungen und die analytischen Möglichkeiten zum Nachweis von Arsenolipiden berichtete.

Am Nachmittag standen zwei interessante Kurzvorträge zum Thema „Spurenelemente und Futtermittel“ an. Abdul Hafeez (Institut für Tierernährung, Department für Veterinärmedizin, Freie Universität Berlin) berichtete über den Einfluss verschiedener Mahlmethoden und thermischer Behandlung von Futtermitteln auf Statusparameter von Legehennen und ebenso auf Mineralstoffgehalte in Eiern. Er konnte dabei eindrucksvoll zeigen, dass bestimmte Mahlmethoden negativen Einfluss auf die Parameter der Verdaulichkeit haben, sich auf die Eiqualität hinsichtlich der Mikronährstoffgehalte jedoch nicht auswirkt.

Beim Thema Legehenne und Ei blieb auch Dr. Friedrich Schöne (Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, Jena). Dr. Schöne stellte den Einfluss von Raps-, Hanf- und Leinexpellern, welche als Alternative zu Soja in Rationen für Legehennen eingesetzt werden können, auf die Gehalte an Mineralstoffen und Spurenelementen in den Produkten Fleisch und Ei dar.

 

Der zweite Tagungsvormittag stand, den Tagungsort reflektierend, ganz im Zeichen der Agrarwissenschaft und behandelte das Thema „Spurenelemente und Nutztiere“. Den Anfang machte Prof. Jürgen Zentek (Institut für Tierernährung, Freie Universität Berlin). In seinem Vortrag „Interaktionen von Spurenelementen mit der Mikroflora des Wirtsorganismus“ berichtete er über die Auswirkungen pharmakologischer Spurenelement-Dosen auf die intestinale Mikroflora des Wirtstiers.

Im Anschluss referierte Dr. Esther Humann-Ziehank (Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover) zu einem Lungenkarzinommodell bei Schafen und erläuterte den Einfluss der alimentären Selenversorgung auf dessen Progression.

Zum Abschluss der Session „Spurenelemente und Nutztiere“ folgten zwei interessante Vorträge zum Thema Zink. Prof. Dr. Jörg Aschenbach (Institut für Veterinär-Physiologie, Freie Universität Berlin) stellte an Hand eines in vitro-Modells von humanen und porcinen Darmepithelzellen den Einfluss unterschiedlicher Zinkkonzentrationen auf Schlüsselfaktoren der intestinalen Zinkhomöostase dar. Danach präsentierte Daniel Brugger (Lehrstuhl für Tierernährung, Wissenschaftszentrum Weihenstephan, TU München, Freising) aus der Gruppe von Prof. Windisch ein Tiermodell einer marginalen alimentären Zinkdefizienz im Absetzferkel und erläuterte die Auswirkungen eines nur kurz andauernden Zinkmangels auf verschiedene metabolische Parameter.

Nach der Mittagspause wendete sich das Programm dem Thema Tiermodelle zu. Zum Thema Eisen referierte Marzell Buffler (Lehrstuhl für Tierernährung, Wissenschaftszentrum Weihenstephan, TU München, Freising). In seinem Kurzvortrag stellte er am Beispiel eines genetisch veränderten Mausmodells neueste Erkenntnisse zum Einfluss von langfristigen Entzündungsprozessen auf die Absorption von Eisen im Duodenum dar.

Die Probleme der Forschung an Spurenelementen, vor allem die Übertragbarkeit ihrer Ergebnisse vom Tiermodell auf den Menschen, erläuterte Prof. Dr. Ulrich Schweizer (Institut für Biochemie und Molekularbiologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn) in seinem ebenso informativen wie unterhaltsamen Vortrag mit dem Thema „Von Mäusen und Menschen. Triumph und Elend bei der Forschung mit Modellen – Anekdoten aus der Selenbiologie“.

Den Abschluss des wissenschaftlichen Tagungsprogramms bildete der Vortrag von Claudia Lennicke (Institut für medizinische Immunologie, MLU Halle-Wittenberg) zum Thema „Impact of distinct Selenium compounds on molecular targets of energy metabolism in hepatic tissue of mice“.

Wie auch in den Jahren zuvor, endete die Tagung mit der feierlichen Übergabe des Posterpreises. Da auch in diesem Jahr eine ganze Reihe an wissenschaftlich hochwertigen Beiträgen eingereicht wurde, fiel es schwer nur einen potentiellen Kandidaten auszuwählen. Nach eingehender Begutachtung und Beratung durch den wissenschaftlichen Beirat der GMS fiel die Wahl auf Martin Bertz (Department of Molecular Toxicology, German Institute of Human Nutrition Potsdam-Rehbrücke), der mit seinem Poster zum Thema „A selenoprotein H knockdown increases anchorage-independent growth and inhibits differentiation of colorectal cancer cells“ überzeugen konnte.

 

Neben dem interessanten wissenschaftlichen Programm kamen auch soziale Aktivitäten nicht zu kurz. So war in den zahlreichen Kaffeepausen und den gemeinsamen Mittagspausen ausreichend Platz für interessante und anregende Diskussionen. Ebenso blieb Zeit, die 10 eingereichten Posterbeiträge zu begutachten. Auch der kulturelle Wert des Tagungsortes sollte nicht zu kurz kommen und so verschlug es die Teilnehmer am Freitagabend auf den Freisinger Domberg. Bei einer sehr speziellen Führung durch den Freisinger Dom mit dem Thema „Von Hexen, Drachen und allerley Gethier“ erläuterten die beiden kompetenten Führer viel Hintergründiges über den Glauben unserer Vorfahren, da der Dom nicht nur Bilder von Heiligen und Engeln birgt, sondern auch von Wesen ganz anderer Art. Zum Ausklang des Tages wurde schließlich in die Traditionsgaststätte „Bräustüber´l“ geladen, die auf dem Weihenstephaner Berg der Staatsbrauerei Weihenstephan angegliedert ist. Nach einem Sektempfang in der lauen Oktoberluft auf der idyllischen Dachterrasse, wurde mit einem exquisiten Buffet für das leibliche Wohl der Gäste gesorgt und es blieb im Anschluss ausreichend Zeit bei einem gemütlichen Beisammensein und dem ein oder anderen Glas Bier, die vorangegangenen Themen Revue passieren zu lassen. 

 

Prof. Dr. Wilhelm Windisch

Dr. rer. nat. Christiane Becker